Wohin und wie lange ?
Die Vereinigten Staaten von Amerika sind bekannt als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Nun, gleich vorneweg, die Meilen pro Tag sind schlichtweg begrenzt und damit sollte man sich als aller Erstes anfreunden.
Egal was man auch machen möchte, unter 14 Tage geht schon mal gar nichts. Weder der schnöde Strandurlaub an der Küste Floridas noch die Canyontour im Südwesten des Landes.
 
Strandurlaub
Nun denn. Wer sich allen Ernstes sechs Stunden in einen Flieger hockt und dabei Trombose riskiert, um sich in Miami oder Ft. Lauderdale in den Sand zu drücken, sollte auf alle Fälle eine Kappe tragen. Wenn er nicht schon jetzt einen Sonnenstich hat, dann bestimmt nach den zwei Wochen.
Das Flair der Küsten Floridas im Gegensatz zum Rest der USA ist ungefähr vergleichbar mit dem von Ballermann 6 zu Madrid. Sprich, das alles hat gar nichts miteinander zu tun. Ein Abstecher nach Disneyland macht es auch nicht besser. Vor allem in den Sommermonaten, wenn man sich mit Tausenden bei 40Grad durch Menschenschlangen drückt und von oben mit zerstäubtem Wasser berieselt wird. Toll, genau so stelle ich mir Urlaub vor.
Florida bereist man am besten im März bis Mai oder September, Oktober wenn die Hitze rum ist. Baden ist dann auch möglich, die Strände sind leer und Abstecher zu schönen Naturschutzgebieten oder anderen Attraktionen sind ohne Herzinfarkt möglich.
 
Südwesten
Ein Blick in die vielen Reisekataloge zeigt, dass man die Tour Las Vegas, 10 Canyons, Rafting und Heli Rundflug locker in 14 Tagen schaffen kann - sogar im Bus, mit den vielen lieben anderen Touristen. Vergiss es.
Die Natur hat hier wirklich geklotzt. Vollgas gegeben. Mit Formen und Farben nur so um sich geschmissen, nein gewütet. Da sollte man die Muße haben auch mal ein paar Stunden zu verharren und einen Sonnenuntergang hier oder einen ausgiebigen Spaziergang dort zu machen. Lieber einen oder zwei Parks weniger sehen, dafür die anderen aber geniessen.
 
Flugbuchung und Mietwagen ! 
Es gibt Anbieter ohne Ende. Im Internet oder bei Euch in der Stadt. Am besten man ist flexibel was die Flugdaten angeht, denn am Wochenende zu fliegen ist meist teurer und das erste Hotel am Ankunftsort ist dann auch teuer. Vielleicht ist gerade ein Feiertag und die Preise gehen hoch. Fliegen kann man eigentlich mit alles und jedem, zu empfehlen ist ganz klar die Star Alliance und Cathay Pacific. Die Ami-mühlen sind zumindest auf dem Transatlantikflug besser als Ihr Ruf. Sobald jedoch über eine Drehkreuz geflogen wird, sollte man sich auf alte Flugzeuge einstellen, ohne Verpflegung.
 
Den Mietwagen immer hier buchen. Vor Ort sind die Versicherungsleistungen anders und die Mietgebühr deutlich höher. Die Qual der Wahl der Fahrzeugklasse hängt mitunter auch vom Geldbeutel ab. Aber wegen Geschwindigkeitsbegrenzung und serienmässiger Klimaanlage ist im Grunde jeder Fahrzeugtyp in Ordnung. Wer es praktisch haben will, bucht einen Viertürer und stellt eine Eisbox auf die Rücksitzbank (siehe auch Nützliche Hinweise). Von den grossen Vermietern ist Alamo oft die günstigste Wahl.
Vor Ort kann man ggf auch nach einem "upgrade" fragen, d.h. dass vielleicht ein Angebot existiert und die nächsthöhere Klasse zu einem sehr günstigen Preis dazuzubuchen ist. Manchmal ist das upgrade auch kostenlos, weil die gebuchte Klasse nicht mehr verfügbar ist.
 
Individuell oder mit einer Agentur ?
Individuell. Klare Sache. Es gibt keinen Grund "Angst" vor der Fremde zu haben. Leider gleichen wir uns hier in Europa - und Deutschland im speziellen - den US Gegebenheiten immer mehr an. Neben Fastfood Ketten und rücksichtslosen Autofahrern findet man sich sehr leicht zurecht.
Oh, Du kannst kein Englisch ! Und ? Du befindest Dich in der Mehrheit, denn die meisten Amis können das auch nicht. Einfach drauflos plappern, notfalls mit Händen und Füssen. Der Amerikaner muss wohl erst geboren werden, der sich herablassend über Fehler äussern würde.
 
Einreise
Du bist noch nie "drüben" gewesen. Geniess es. Das ist einfach einmalig. 280Mio Paranoide auf einem schönen Fleckchen Erde und Du bist kaum gelandet und schon Teil dieses ganzen Terrornetzwerks. Der Staat schafft es seine Bürger permanent in Angst und Schrecken zu versetzen. Das beginnt schon mit diesem grünen Einreiseformular, dass es bereits seit Jahren gibt. Achte auf die Linien: drunter oder drauf schreiben *grins* Verschreiben ist übrigens nicht, dann gleich eine neues ausfüllen ! Auch solltest Du besser alle Fragen mit "Nein" beantworten, auch wenn Du den Präsidenten ermorden willst. Die USA fühlt sich dann sicher, weil sie ja jeden gefragt und der das dann unterschrieben hat. Wenn Du doch den Präsidenten ermordest, bist Du nämlich nicht nur ein Mörder, sondern auch noch ein Lügner - schäm' Dich !
Seit 9/11 schmiert man Dir jetzt auch noch Tinte auf den Füller, äh, auf die Finger. Das wird aber nicht gespeichert *hüstel*. Sie überlegen auch, eine Stuhlprobe zu nehmen, nur hat die Sicherheitsleutegewerkschaft dagegen rebelliert. Immerhin. Oh und immer schön artig sein und keine blöden Sprüche. Der Zollbeamte der USA ist garantiert der komplett falsche Adressat für witzige Bemerkungen. Die Typen werden auf irgendeiner Insel gezüchtet, weg von der Zivilisation und ohne Mickey Mouse Comics. Versuche zumindest für drei Minuten ernst zu bleiben. Ich weiss, wie schwer das ist - wohin man schaut nur Routinen & Abläufe zum Totlachen, aber es ist einfach nicht der richtige Zeitpunkt dafür.
Du hast Deinen Koffer und bist am Zoll vorbei - so jetzt kannst Du lachen. Du hast es geschafft, Du bist im Land der Freiheit...

 
Vor Ort bewegen
Der Mietwagen ist das geeignete Verkehrsmittel, denn öffentlicher Nahverkehr ist bis in wenigen Städten an der Ostküste so bekannt wie bei uns der 2l Cokebecher bei Mc Doof. Der Rand McNally ist Dein erster Kauf. Das ist der Mercedes der Strassenkarten. Den kaufst Du Dir am besten gleich am Flughafen oder für waghalsige Abenteurer bei Wal Mart. Wal Mart ist wie Edeka, nur etwas grösser und den kennt da drüber wirklich jeder.
Die Strassenbeschilderung ist praktisch, wie eigentlich alles in USA. Auffahrten, Autobahnkreuze und verbale Wegbeschreibungen fundieren eigentlich immer auf Nord/ Süd oder West/ Ost. Du musst folglich nicht jede grössere Stadt auf Deiner Route kennen, um die richtige Abfahrt/Auffahrt zu erwischen, sondern lediglich die Himmelsrichtung, in der Du fährst (siehe hier auch Nützliche Tips).
 
Unterkünfte findet man in USA wie bei uns Signalpfosten an der Autobahn. An jeder Abfahrt ist mindestens eins. Zu Beginn sollte man die eine oder andere Kette (Motel 6, Holiday Inn, Red Roof Inn, Super 8) anfahren und sich ein Verzeichnis mitnehmen. Die sind kostenlos und haben alle wichtigen Infos (Preis, Anfahrtsskizze, Zimmerausstattung, etc.). Auf diese Weise findet man überall in der Fremde einen sicheren Platz zum Schlafen.
 
Nützliche Hinweise
Das wichtigste gleich vorneweg: Wal Mart. Das ist ein Supermarkt der Extraklasse. Ein Konsumtempel der aussergewöhnlichen Art und mit nichts auf diesem Erdball zu vergleichen. Wal Mart ist der Expertenmarkt, indem Du alles kaufen kannst; vom Angelhaken über Kosmetik bis zum frischen Zitteraal. Und nun das geilste. 24 Stunden, jeden Tag. Super ist übrigens die Spielwarenabteilung, wenn man wegen der Zeitverschiebung nicht schlafen kann. Zu zweit kann man da prima Lichtschwertkämpfe austragen.
Kaufmuss: Workload Boots für ca 29 US$, unkaputtbar und vergiss Timberland - Rand McNally Wal Mart Edition - Trident Kaugummi - Cooler
 
In der Einkaufsliste steht die Eisbox (Cooler) und die ist wichtig. An jeder schnöden Tanke gibt es Eis für 49-99 US Cents zu kaufen. Einfach auf den Einkauf schütten und Coke, Milch, Yoghurt usw. bleiben kühl. Aber bitte keinen Styropor Cooler erstehen. Uncool ! Der Profi kauft eine mind. 80cm breite Box mit Wasserausfluss, die auf der Rückreise als Gepäckstück genutzt werden kann.
Der Strassenatlas ist ebenso wichtig. Mit der Wal Mart Edition hat man noch den Vorteil, dass alle Läden der Kette mit abgedruckt sind. Die Versorgung ist also gesichert und verfahren kann man sich dann eigentlich auch nicht mehr. Hier sei auch die Logik der Interstates und Highways kurz erläutert. Gerade Zahlen bewegen sich immer (!) von West/Ost und ungerade von Süd/Nord. Dabei sagt die Nummer 40 aus, dass die Strasse etwa bei 40% in der horizontalen die USA durchquert. Der I70 hat westlich 70% des Landes und östlich 30%.
 
Es gibt ja viele Geschichten und noch mehr Filme über die USA und deren Verbrechen, und das fatale daran: Es ist wahr. Die Städte sind nicht sicher und es gibt Gegenden, da legt man Leute um, nur weil Sie 5 US$ in der Tasche haben. Was schliessen wir daraus: Falsch, mindestens 10 US$ in Bar dabei haben ! Aber keine Panik, es besuchen jährlich Hunderttausende die Vereinigten Staaten und bis auf Einzelfälle kommen alle am Stück wieder nach Hause.
Die wenigen sind entweder einfach Pechvögel oder dumm. Die hohle Nuss, die 1993 in Miami nachts zum Joggen in einem Vorort gegangen ist, hat im Grunde die gerechte Strafe erhalten. Tod nach Überfall. So ein bisschen Hirn muss man auch in den USA mitbringen, obwohl man sich schon fragt, warum in der Toilette eines Restaurants eine bebilderte Waschanleitung zur Reinigung der Hände angebracht ist. Aber ich schweife ab. Hier die Grundregeln für einen sicheren, ungestörten Urlaub:
* nur tagsüber unbekannte Strecken/ Abfahrten nehmen (gilt nur für Grossstädte)
* sich im Hotel/ Restaurant, an der Tankstelle, am Flughafen informieren, ob es Gegenden gibt, die man meiden sollte
* mit offenen Augen durch die Welt fahren - wenn plötzlich nur noch brennende Autowracks am Strassenrand lodern, ist man in der falschen Gegend
 
Jetzt kann eigentlich nichts mehr schief gehen.
Design & Implementation - Ralf Niedling